Multiple Sklerose,  Thoughts

Warum die Diagnose Multiple Sklerose Erleichterung auslöste

Du hast es sicher schon oft gehört oder vielleicht auch selbst erlebt: Die Diagnose einer unheilbaren, chronischen Erkrankung zieht Menschen den Boden unter den Füßen weg und sie fallen in ein tiefes Loch.

Der Moment, in dem mein Neurologe nach meinem zweiten Schub zu mir sagte: „Wir müssen es jetzt einfach MS nennen.“ war für mich kein ich-falle-gleich-in-ein-tiefes-Loch-Moment. Das allererste, was ich fühlte, war Erleichterung. Ich habe mich befreit gefühlt. Ich war gleichzeitig überrascht und doch hatte ich eigentlich schon fast damit gerechnet.

Ich war der Überzeugung, dass eines Tages nun unweigerlich dieser Moment kommen würde, in dem ich in dieses berühmte Loch fallen würde, weil ich MS habe. Und so wartete und wartete ich, aber das Loch kam bisher nicht.

Doch warum war der Moment meiner Diagnose nicht der schlimmste Moment meines Lebens? Wie konnte es sein, dass ich erleichtert darüber war?

Das Zauberwort ist Gewissheit. Ich war in der glücklichen Lage, nur zwei Monate mit dem Verdacht auf MS leben zu müssen. In dieser Zeit habe ich mich sehr viel damit auseinandergesetzt und alles darüber gelesen, was das Internet hergab. Was blieb, war die Frage, ob all das Wissen für mich je relevant werden würde. Mit der Diagnose wusste ich endlich, woran ich war und konnte etwas dagegen unternehmen. Hilflos herumsitzen und auf mein Schicksal warten war noch nie meine Stärke. Ich begann meine Therapie mit Gilenya und bekam dadurch auch das Gefühl und die Sicherheit, nicht untätig dabei zuzusehen, wie die MS in mir wütete.

Damit möchte ich nicht in dir die Illusion hervorrufen, dass es mir damit toll gegangen wäre. Auch ich hatte Momente, in denen ich einfach traurig oder verzweifelt war. In denen mir all das ungerecht vorkam und ich mich am liebsten einfach unter meiner Bettdecke versteckt und gewartet hätte, bis das Monster verschwunden ist. Aber die Wahrheit ist, dass mich dieses Verhalten auch nicht wieder gesund machen würde, denn die MS geht nunmal nicht mehr weg. Sie ist ein Teil von mir, sie schränkt mich in manchen Dingen vielleicht auch ein, aber sie definiert mich nicht.

Die MS ist nicht das Schlimmste, was mir hätte passieren können.

Und genau deshalb habe ich versucht, weiterzumachen wie bisher. Mal mehr und mal weniger erfolgreich, aber dass nicht jeder Tag heiter Sonnenschein sein kann, sollte klar sein. Was zählt ist, dass du dich wegen der MS nicht aufgibst.

Du hast auch MS? Wie ist es dir mit deiner Diagnose ergangen?

 

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2 Kommentare

  • Sandra

    Hi Anna,

    über meinem Kopf spuckt seit 8 Monaten der Verdacht auf MS…..ich habe seit März Doppelbilder, bei mir wurden alte Herde und Vernarbungen im MRT gefunden, im VEP gab es deutliche Verzögerungen und die oligoklonale Banden waren positiv, dazu wurden Borrelien im Liquor gefunden……seit der Stoßtherapie ist die Fatigue mein ständiger, frustrierender Begleiter…….mein vorheriges Leben hat sich um 180° gedreht…… ich habe gerade eine 8 wöchige ambulante Reha hinter mir, die wegen dem medizinischen Dienst der Rentenversicherung in einer psychosomatische Klinik war…….geholfen für meine Doppelbilder und die Fatigue hat es mir nicht…….im Februar soll ich nach Düsseldorf zur Diagnostik und ich wäre mittlerweile heilfroh, wenn dabei die Diagnose MS raus käme! Oder irgendwas anderes festgestellt wird! Diese Ungewissheit ist ätzend und ich komme mir vor, wie ein Hypochonder! Deshalb kann ich gut verstehen, das Du erstmal erleichtert gewesen bist, als die Diagnose gestellt wurde!

    Ich wünsche Dir alles Gute

    Lg Sandra

    • anna

      Hallo Sandra,
      vielen Dank für deinen Kommentar 🙂
      Das klingt ja nicht gerade schön, vor allem die Doppelbilder. Ich kann gut verstehen, dass du diese Ungewissheit endlich mal los sein möchtest. Wenn man weiß, was es ist, kann man wenigstens etwas tun und nicht nur tatenlos rumsitzen und abwarten. Aber ein Hypochoner bist du bestimmt nicht, wenn sowas im Raum steht, dann achtet man wirklich auf jede Kleinigkeit und interpretiert auch gerne mal zu viel rein…
      Ich wünsche dir auch alles Gute und dass du endlich Gewissheit bekommst in Düsseldorf!
      Liebe Grüße, Anna

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